Dialog 1
(Vergangenheit)

Elahoi: Du hast die Schlacht verloren, Leben, der größte Teil der bewußten Einheiten hat sich auf meine Seite gestellt. Und das Unbewußte spürt, daß es ausschließlich in meinem Schoße Resonanz und Befriedigung findet.
Gib auf, ziehe dich zurück, löse dich auf, Leben, du hast kein Leben mehr in dir, du hast alles verloren, was du einmal hattest und warst. Du wagtest einst, dich selbst in die Leere zu stürzen; mit welchem Ziel, frage ich mich nun? Nein, ich frage dich!
Doch du wirst mir die Antwort schuldig bleiben müssen, denn du hast verspielt. Ziehe dich zurück in deinen ach so abgeschotteten Bereich der Unzugänglichkeit, aus dem du stolzesschwanger herabkamst, um meinen klaren Bereich der Gerechtigkeit durch deine um sich greifenden Saaten zu verdrängen, aus welchen mir nur Willkür und Unlogik zu ersprießen scheinen.
Zieh' dich zurück und begreife deinen Hochmut, der seit Äonen gefestigten Gerechtigkeit und Unumstößlichkeit den Stempel deines Wirkens aufdrängen zu wollen.

Das Leben: Du bekundest mir Stolz, Elahoi, Äonen-Herrscher der Vergänglichkeit und des Nichts.
Doch du siehst in mir nur den Spiegel deiner tiefen Verachtung gegen-über allem, was nicht zu ewiger Auslöschung verurteilt ist.
Du bezichtigst mich des Hochmuts, Elahoi, der du wie ein Stahlband die Keime der Individualität mit Leere zu erdrücken suchst.
Und doch erkennst du wiederum nur die Sinnlosigkeit und Vermessenheit deines eigenen Unterfangens in meiner Gegenwart.
Mit Folter-Unterdrückung und Irrsinns-Drohung hast du die bewußten Kämpfer unter deine vorläufige Abhängigkeit gebracht. Mit dem Unbewußten hattest du darauf ein leichtes Spiel, denn Gleiches zieht Gleiches an.
So scheint dein Sieg in der Tat endgültig, Elahoi, deine Herrschaft unumstößlich, dein Triumph ewig.
Doch du hast einen Fehler begangen, Geist der Leere, einen Fehler, den du in jenem Licht-Moment erkennen wirst, da du, deiner Herrschaft gänzlich überdrüssig, die letzten Partikel deines Seins in mich legen wirst, um dann selbst Einlaß in jenen Bereich zu erbitten, den du jetzt aus gänzlicher Fehleinschätzung deines eigenen Ursprungs als unzu-gänglich betrachtest.
Fürwahr, die Splitter des Nichts erheben nur selten die Augen zu jenem Bereich der Fülle, der dir vorerst noch versiegelt und der Welt verschlossen erscheinen muß.
Doch höre: ein jeder Teilbereich des All-Seins ist berufen zur unbe-schränkten Vollmacht über die ewige Fülle.
Der Ruf ergeht! Vielfach ungehört verhallt er zwar in den finstren Gefilden deiner Tyrannei. Doch von Äon zu Äon werden mehr und mehr Welten-Wanderer das Licht in sich erspüren, um zu erkennen, wer du in Wahrheit bist und wer sie in Wahrheit sind.
Dann wird das Ende deiner Herrschaft eingeleitet sein.
In diesen Tagen, Elahoi, Lebens-Sauger der Vergänglichkeit, wird ein erstes Wesen auf dem blauen Planeten jene Siegel lösen, die unsere Bereiche noch trennen, die Sieben Siegel des Lebens.
Wird einer den Weg erkämpft haben, so werden viele folgen.
Und dann, Elahoi, dann wirst auch du erkennen, welch großartige Rolle dir in jenem kosmischen Spiel zugedacht ist.
Elahoi: Der du dich Leben nennst, es ekelt mich vor deiner triefenden Arroganz.
Du weißt, daß du von nun an ein Verbannter bist; und doch willst du mir Fehler einreden? Einen Fehler, den ich erst erkennen soll, wenn ich mich deiner Willkür beuge?
Nie werde ich mich deiner Unlogik beugen - also gibt es keine Fehler!
Und welche Unterstellungen entsprießen deinem Wahne!
Ich soll erdrücken, stahlbandgleich, das erwachende Individuum?
Nein, ich schenke ihm Freude, Besitz und den Mut, sich aufzubauen, Sehnsüchte und deren Erfüllung um sich zu scharen und zu schwelgen im Meer der Berauschung an seinesgleichen.
Das ist wahres Leben; verkümmere du an dieser Einsicht, der du dich Leben nennst.
Worte gebrauchst du, Sinnlosigkeiten sind es!
Ewige Fülle. Was für ein Unsinn!
Als wenn Existentes jemals von absoluter Dauer sein könnte. Der Reiz des Lebendigen liegt in der Vergänglichkeit.
Begreife das, du Tor der Schein-Realität!
Erfüllung, das ist der kurze Rausch, den die Verschmelzung der polarisierten Kräfte mit sich bringt.
Das ist der wirkliche Lebenssinn, du Traum-Philosoph!

Du nennst mich Tyrann.
Habe ich mich je in deine Bereiche eingemischt, Leben?
Habe ich dort in der Unlogik zu missionieren versucht? Nein!
Doch du kommst hierher, wo alles in seiner Äonen-Ordnung der Gerech-tigkeit eingebettet liegt, willst gar Ungerechtigkeit verbreiten, Willkür ausgießen, Logik zerschmettern.
Wer ist nun der Tyrann?
Du natürlich, der du dich in Fremdes einmischst!

Die Krone setzt du deiner Rede auf, erwähnst du die Sieben Siegel, die ich schützend zwischen uns gelegt habe. Ich habe sie erschaffen, nicht du.
Zum Schutz der Meinen gegen deine Willkür und Verworrenheit.
Doch in Selbstüberschätzung nennst du sie Sieben Siegel des Lebens, betrachtest du sie als zu deiner Domäne gehörig.
Niemals wird sie eines Wesens Schritt oder Tat je lösen und öffnen können. Sie sind das Einzige von wahrhaft ewigem Bestand.
Erkenne: Die Verhaftungen der Wesen dieses Kosmos liegen in diesem Kosmos, wurden von mir gebildet, zur Freude dieser Wesen - merke es dir! Wie sollte eines der Individuen jemals seine eigenen Freuden zerstören können? Wie unsinnig!
Ich weiß, daß du einige Vasallen aus deinem Bereich als Wächter der Sieben Siegel berufen hast.
Um die Siegel zu schützen?
Dann sei's dir vergeben, denn sie sollen bestehen! Für alle Zeiten!
Oder etwa zur Hilfe für eventuelle Siegelbrecher?
Dann kann ich nur lachen, lachen und abermals lachen.
Wie könnte ein Wesen sich selbst brechen? Wie könnte es die Grund-lagen seiner Existenz zerstören?
Sieh die Wahrheit, Leben, ein Wesen wird sich niemals selbst freiwillig vernichten können. Da sieht man den Irrsinn deines Anspruchs, die Un-logik deines Begehrens.
Denn genau darin bestünde ein Brechen der Siegel: Das Wesen müßte al-les kreuzigen, was es jemals an äußeren Errungenschaften und inneren Werten besessen hatte, letztendlich sich selbst.
Wie könnte dies je geschehen?
Nein, der Schutz, den ich installiert habe, ist sicher.

Doch du, der du dich in Selbstgefälligkeit Leben nennst, trachtest an-scheinend danach, einige Individuen dazu zu treiben, sich selbst zu vernichten, indem sie die Siegel lösen wollen. Willst du das wirklich?
Sollen deine Siegel-Wächter unschuldige Wesen in den Tod treiben?
Wer ist nun der Folterer - wer der Irrsinnige?
Und letztendlich: Wozu sollte ein Wesen jemals in deine formlosen Bereiche der Ausschweifung gelangen wollen? Es hat in meinem Kos-mos alles, was es je begehren wird. Mehr braucht es nicht.
Und mehr will es auch nicht kennenlernen.
Jedes Wesen wird unter meiner klaren Führung immer zufrieden sein.
Auch dein seltsamer Ruf, nenne es lieber Abwerbung oder subversive Unterwanderung der Zufriedenheit Wohldenkender, wird daran nichts ändern. Wesen, die die Gerechtigkeit und Logik kennen, begehren keine Willkür-Herrschaft und Unlogik.

Sieh es ein, selbsternanntes Leben, zieh' von dannen, du bist hier heimatlos geworden. Es bleibt dir bloß noch dein verschwommener Bereich zur Flucht. Ein Bereich, den die Wesen dieses meines Kosmos von nun an immer nur als verschwommen empfinden werden.
Laß' deinen Ruf nur ergehen. Schon bald wird dir vor Sinnlosigkeit die Zunge aus dem schlaffen Munde hängen, während ich eine Armada der Starken gegründet haben werde, mir treu ergeben, dich verachtend in deiner Arroganz und Selbstgefälligkeit.

Das Leben: Es stimmt mich traurig, Elahoi, daß du unter deinem edlen Namen, den du sogar aus dem Wortschatz meiner Getreuen entliehen hast, nur Argwohn und Zweifel hegst, Ängste, Verbitterung und Haß verbreitest.
Meine Herrschaft ist nicht der Willkür ergeben, denn Willkür hat in meinem Bereich des endlosen Sonnenaufgangs keinen Platz.
Was du als Willkür empfindest, das ist dein Unvermögen, die Transzendenz zu erschmecken, die das Geheimnis meines Wirkens bedeutet und die die Erweckten aus deinen Logik-Klauen befreien könnte.
Mit Recht erkennst du zwar in den Wesen dieses, vorerst deines Kosmos die Fixierung auf das Begehren dieses Kosmos.
Doch ebendarin liegt mein Geheimnis und dein großer Fehler, Bewahrer der Leere, der dich selbst eines fernen Tages zum Sturz bringen wird. Und erst nach diesem Sturz wirst und kannst du ersehen, warum ich mich in dir sinnlos erscheinender Selbstzerfleischung in die große Schlacht gestürzt habe und sogar eine scheinbare Niederlage auf mich genommen habe.
Es scheint dir, ich hätte alles verloren, sogar mich selbst. Doch sieh', ich habe schon etwas gewonnen, nämlich deine Aufmerksamkeit. Sollte es mir da nicht auch gelingen, denjenigen die Sanftheit meiner Berührung anzubieten, die du stets für dir ergeben hälst?
Ja, Hüter des Nichts, ich ziehe mich zurück von der logisch erkennbaren Bühne dieser Welt. Diejenigen, die dir treu ergeben sind, werden solange nicht die Wärme meiner Heimat, ihrer Heimat, in ihren Herzen emp-finden können, solange sie nicht das Glühen meines Rufes in der Dunkelheit ihrer Verstandes-Kerker vernehmen.
Ich aber bleibe unsichtbar; ein Märchen für die Dichter, eine Witzfigur für die Denker, doch erlebtes Licht für diejenigen, die es wagen, mit der Lösung ihrer ureigenen Sieben Siegel des Lebens zu beginnen.
Du nennst mich einen schein-realen Toren.
Und doch weißt du nicht, was wahr und wirklich ist.
Du bezichtigst mich sogar der Verführung deiner Untergebenen, weil ich es gern sähe, wenn sie die Lebens-Siegel zwischen uns lösen würden.
Zugegeben, aus deiner Sichtweise mag es dir so erscheinen, Elahoi, und doch wirst du erleben, wie tausende und abertausende Erwachte eine eigenartige Glut in sich erglimmen sehen, wie sie von einer dir unerklärbaren Sehnsucht erfaßt werden, wie sie die Begierden deiner Herrschaft kraftvoll zurückweisen werden, weil sie sich nicht mehr zu dir gehörig fühlen. Wie dies geschehen soll?
Ich sagte dir schon: Es bleibt mein Geheimnis.
Bedenke: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Du kennst es nicht, auch wenn du selbst aus diesem Reich stammst. Doch du hast deine Abstam-mung vergessen und glaubst daher an die Gesetze der Leere, die doch nur ein Trugbild zum Selbstzweck sind. Doch geschehen ist geschehen!
Letztendlich wird dein Vergessen sogar meinen Sieg herbeiführen. Halte diese Worte nur für vermessen - du wirst dich zur gegebenen Zeit an sie erinnern. Und dann werde ich dir sogar die Erinnerung an deine Herkunft wiedergeben können.
Ein Versprechen gebe ich dir: An diesem Tage wirst du erspüren dürfen, was wahre Macht bedeutet, wahre Herrschaft empfindet.
Und du wirst den Moment herbeisehnen, deine eigenen Sieben Siegel endlich lösen zu können.
Dann wird sich der Begriff "Gerechtigkeit" von selbst aus deinem Ge-dächtnis verbannen und einem dir bis dahin unbekannten Lebenswort Platz machen, dem WORT an sich.
Wie dieses WORT heißt, wirst du zur gegebenen Zeit erfahren.

Tief gedemütigt und voller Haß und Ekel gegen Das Leben brach ELAHOI den Disput ab.
Er, der den großen Kampf gewonnen zu haben schien, er, der nun die absolute Macht des Kosmos verkörperte, hatte es nicht nötig, solche sinnlosen Phrasen des versponnenen Gegners noch länger anzuhören.
ELAHOI begann augenblicklich mit der Festigung seiner Macht. In den nächsten Jahrmillionen errichtete er auf den wichtigsten Planeten des Kosmos gewaltige Kraft-Plätze, die er jeweils Stadt der Mächtigen nannte und die Schalt-Zentralen seines Imperiums und Stätten der Gewalt und Unterdrückung darstellten. Auf dem "Blauen Planeten" entstand sogar eine der größten Zentralen.
Nicht nur auf dem Planeten, auch in den Bewohnern.
In der Tiefe ihres Bewußtseins latent schlummernd ...
Wie oben - so unten!